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Rezension Sinnstiftender Mathematikunterricht
für Mädchen und Jungen


Jahnke-Klein, Sylvia: Sinnstiftender Mathematikunterricht für Mädchen und Jungen. Schneider-Verlag, Hohengehren 2001 (Grundlagen der Schulpädagogik, Band 39), 280 S.; ISBN 3-89676-433-0; Pb, 37 SFr.


Was hat Mathematikunterricht mit Sinn zu tun? Die Autorin des vorliegenden Buches zeigt an vielen Praxisbeispielen, dass Mathematikunterricht sinnstiftend sein kann. Wie geht sie dazu vor? Sie lässt die Schülerinnen und Schüler selber sprechen. Über 2000 Fragebögen von rund 400 Schülerinnen und Schülern (5. bis 13. Klasse) mit konkreten Fragen zur Unterrichtsmethode, zum Stoffinhalt, zu einzelnen Unterrichtsschritten, zum Wohlbefinden beim Lernen, aber auch zu Störfaktoren im Unterricht oder beim Lernen werden ausgewertet.

Der erste Teil ``Wo gibt es Probleme?'' ist der neuen Koedukationsdebatte gewidmet. Ein sehr guter Überblick über die wichtigsten internationalen Forschungsergebnisse zu den Leistungen und Begabungen der Geschlechter, sowie zur Repräsentanz von Frauen in Mathematik, Technik und Naturwissenschaften wird gegeben.

Im zweiten Teil ``Eine Pilotstudie: Was wollen die Mädchen, was wollen die Jungen?'' sind die qualitativen Untersuchungen der Autorin besprochen. Ihre forschungsleitenden Fragen lauten: Gibt es geschlechtstypische Präferenzen im Mathematikunterricht? Die Auswertung ist nach Geschlechtern getrennt, zeigt aber, dass sich daraus nicht zwei disjunkte Gruppen ergeben. Die meisten Mädchen streben nach einem intensiven Unterricht, der ein Thema gründlich behandelt und in dem kein Zeitdruck herrscht. Ein kleinerer Teil der Jungen hat ähnliche Bedürfnisse wie die Mädchen. Der grössere Teil der Jungen möchte sich nur oberflächlich mit einem Thema befassen und möglichst schnell zum nächsten Thema übergehen. Bizarrerweise stört viele Jungen das langsame Vorgehen. Sie wollen komplexere Aufgaben lösen, auch wenn sie oft den bisherigen Stoff noch nicht verstanden haben. Nur auf den ersten Blick scheinen die Mädchen weniger kompetent als die Jungen, obwohl sie im Durchschnitt gleich gute (sogar eher bessere) Mathematiknoten erzielen.

Der letzte Teil ``Ausblick: Was ist zu tun?'' gibt Ideen für einen koedukativen Unterricht, der beiden Geschlechtern Rechnung tragen will. Veränderungen der gesamten Unterrichtskultur sowohl auf der Inhalts- wie auf der Methodenebene sind nötig. Das Selbstvertrauen der Mädchen muss gestärkt werden. Die Unterrichtsatmosphäre soll das Lernen erleichtern, zumal sich die Schülerinnen und Schüler Phasen der Ruhe und der Konzentration wünschen. Dazwischen sollen kooperative Arbeitsweisen angewandt werden. Angeprangert wird der heute dominierende fragend-entwickelnde Unterricht.

Was benötigt der moderne Mathematikunterricht? Sinnstiftende Inhalte vermitteln ein ganzheitliches Bild der Mathematik und eine sinnstiftende Unterrichtskultur fördert die Eigenaktivität und Selbstständigkeit.

Wer den Unterricht lebendig gestalten möchte, dem ist dieses Buch wärmstens empfohlen. Die frischen Antworten der Schülerinnen und Schüler ermuntern, Neues im Unterricht auszuprobieren.

Johanna Schönenberger-Deuel